Gedenken an die Novemberpogrome

Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ging als die Nacht des Novemberpogroms in die Geschichte ein. Das Datum täuscht darüber hinweg, dass das Morden und Zerstören erst Tage später aufhörte. Und doch markiert dieser Tag den Beginn der systematischen Vertreibung, Enteignung und Ermordung von Jüdinnen und Juden zur Zeit des Nationalsozialismus. In Österreich wurden 42 Synagogen und Bethäuser zerstört und verwüstet. Tausende jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden von den Massen zerstört und beschlagnahmt. Tausende Jüdinnen und Juden wurden festgenommen und in das Konzentrationslager Dachau deportiert.

Wenngleich die Nationalsozialisten das Pogrom initiierten, so fand es in Österreich mit einem Eifer und einer Brutalität statt, die sogar manchen Nazis Sorge bereiteten. Freilich nicht, weil sie gegen die Gewalt waren, vielmehr überraschte sie der vorauseilende Gehorsam. Der tiefgreifende Antisemitismus in der Gesellschaft war schon lange vor der Ankunft der Nationalsozialisten in Österreich verwurzelt.

Antisemitismus ist immer noch weit verbreitet.

Auch heute noch ist Antisemitismus in Österreich weit verbreitet. Er verschwand genauso wenig wie die Gefahr, die von ihm ausging. Antisemitismus erkennt mensch nicht immer gleich auf den ersten Blick. Er findet sich in allen Gesellschaftsschichten wieder, speziell aber bei Menschen mit höherer Bildung. Der*die Antisemit*in  spricht nicht immer explizit von Jüdinnen und Juden, oftmals werden Codewörter wie „Amerikanische Ostküste“, „das internationale Finanzkapital“, „Illuminati“, „Freimaurer“ verwendet. Auch die vermeintliche Kritik am Staat Israel entpuppt sich oft als antisemitisch. Wirtschaftskrise, Klimawandel, Krieg – für Antisemit*innen ist klar, dass es nur einen Schuldigen geben kann, denn die Welt ist das Werk einer Verschwörung. Die vermeintliche Aufdeckung der Verschwörung verdeckt die wirklichen Verhältnisse und macht ein Verstehen unmöglich. Die Lösungen werden verdächtig einfach, schließlich müssen nur noch die Verschwörenden bekämpft werden.

Nur wer den Antisemitismus versteht, kann ihn auch bekämpfen.

Damit „niemals vergessen!“ kein sinnentleerter Spruch wird brauchen wir starkes zivilgesellschaftliches Engagement.  An jedem Stammtisch, der antisemitische Parolen wiedergibt, wenn Politiker*innen antisemitische Äußerungen machen oder Karikaturen posten braucht es jeden und jede von uns, die dagegenhälten!

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